Kurz angemerkt
1. April 2026
Kleine Änderungen können große Wirkungen haben – in die eine oder andere Richtung.

(Quelle: Oö. Umweltanwaltschaft)
Hänsel und Gretel – wie das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) auch landläufig genannt wird – heißt so wegen der unterschiedlichen Blütenfarben. Die Blüten besitzen eine hohe UV-Reflexion. Die trichterförmige Blütenkrone ist anfangs rot-purpurn, färbt sich später während des Blühens – wenn der Nektar nach 3 bis 4 Tagen leergesaugt ist - durch Änderung des pH-Wertes innerhalb der Kronblätter nach Violett und später Blau, selten Weiß, um. Bei tieferen Vorfrühlingstemperaturen stellen die Blüten mit ihrem Nektar vor allem für langrüsselige Wildbienen wie Hummeln eine wichtige kohlenhydrathaltige Kost dar. Das Gefleckte Lungenkraut enthält auch Stoffe, die hustenreiz- und entzündungshemmend wirken - darum läuft es unter Heilpflanzen.
Kleine Änderungen können also große Wirkungen haben – in die eine oder andere Richtung. Und dass diese – auch bei noch kühlen Temperaturen – heilsam sein können. Dafür steht das Lungenkraut.
Dass die Gestaltung und kluge Planung von Betrieben auch ein Beitrag zum Bodenschutz, zur Regenretention und zur Ökologie (Grünzonen, Sonderstandorte) sein können, darüber ging es im letzten Newsletter. Das löst nicht die Problematik des Flächenverbrauchs, puffert aber die Auswirkungen ab und wäre auch im Rahmen der Umsetzung der Renaturierungsverordnung ein machbarer und sinnvoller Beitrag. Denn jenseits ideologischer Grabenkämpfe und mitunter Scheingefechte in Sachen Renaturierungsverordnung geht es doch letztlich um die Frage, in welcher Welt wollen wir zukünftig leben. Und was braucht es konkret, damit – bei allem Wandel – unser Lebensumfeld lebenswert bleibt oder wird.
Kleine Änderungen können auf Dauer auch große Wirkungen zeitigen – ein Umstand, der sich in unseren Verfahren nicht oder nur unzureichend widerspiegelt. Er läuft unter der Bezeichnung „Kumulierung“. Ist irgendwo bereits ein Eingriff geschehen, so ist der nächste Eingriff schon leichter tolerierbar, und so geht es Schritt für Schritt weiter, bis wir dann am Ende den Pallawatsch dahaben. Bei Immissionen, wie Lärm oder Luftschadstoffen, heißt das Zauberwort „Irrelevanz“ oder „Geringfügigkeit“ oder etwas verschwommen „gerade noch möglich“. Beim Landschaftsbild wird von der tatsächlichen oder konstruierten „Vorbelastung“ gesprochen, die alle Zusatzbelastungen rechtfertigen soll. Und diese schrittweise Senkung des Vergleichsniveaus – auch „shifting baseline“ genannt – entspricht einer schiefen Ebene, bei der am Ende fast zwangsläufig alles schlechter werden muss, weil das sachverständig und fachlich logisch ist. Oder?
Die Erfahrung lehrt es: Einmal Lärm, immer Lärm. Einmal Gestank, immer Gestank. Einmal zu hell, immer zu hell. Gut, wenn es doch etwas zu viel wird, dann – dank technischer Maßnahmen – ist auch ein bisschen weniger Lärm oder Gestank oder Licht möglich, vorübergehend ein kleiner Reset, ab dem es wieder bergab gehen darf.
Der technische Reset ist aber weniger leicht beim Flächenfraß und beim Landschaftsbild oder Landschaftscharakter. Selten bis gar nicht werden die sich in die Ackerflächen fressenden Betriebsbaugebiete oder Wohngebiete mit ihren Erschließungs- und Nebenanlagen rückgebaut. Ein Wasser-, Wind- oder PV-Kraftwerk verschwindet nie, sondern weitet sich – dem „Gesetz der Vorbelastung“ und dem übermäßigen Verbrauch von Ressourcen, auch mit grünem Anstrich, folgend – aus.
Warum muss das so sein? Warum ist das anscheinend ein „verfahrenstechnisches Naturgesetz“?
Es muss nicht so sein. Es geht auch anders. Nicht immer gleich überall, aber es geht. Die Umsetzung der Renaturierungsverordnung bei der Ausgestaltung von Betrieben oder in verdichteten Siedlungszonen mit dem Schwammstadtprinzip. Die Kombination von zentralen Hochwasser-Rückhalteanlagen mit Überflutungs- und Sedimentationszonen bei den Zubringern, damit das Wasser – auch in Trockenperioden – länger in der Landschaft gehalten wird. Die Festlegung eines maximalen Versiegelungsgrads bzw. minimalen Grünanteils im Bauland. Die Umsetzung der Energie-Effizienz – auch in Objekten der öffentlichen Hand, wie der Beitrag unten darlegt. Die Verwendung von Holz und gedeckten Farben bei Gebäuden ab dem Obergeschoß, dass sich Gebäude und andere bauliche Objekte nicht „auf die Landschaft draufsetzen“ sondern in die Landschaft einfügen – und die Bauten dürfen mit landschaftsgebundenen Materialien durchaus modern sein und müssen nicht jodeln. Klare Festlegungen, wo etwas geht und wo nicht – auch in der Raumplanung und Fachplanungen. Denn planerische Beliebigkeit und das „Nichts ist fix, alles ist möglich“ endet in planerischem Desaster. Und viele andere Beispiele gäbe es noch – groß und klein.
Das Gefleckte Lungenkraut – vulgo Hänsel und Gretel – mit seinem beachtenswerten Farbumschlag und seiner Bedeutung, speziell in der noch kühleren Jahreszeit, hat uns durchaus etwas zu sagen.
Frohe Ostern!
Martin Donat
Oö. Umweltanwalt